Profi am Werk: Der Defender-Umbau geht in die nächste Phase

Im zweiten Teil der Reportage steht Nick Haydn, Gründer der "Endlos-Freisein-Manufaktur", vor einem leeren Fahrzeug. Ideen und Pläne für den Luxuscamper hat er schon im Kopf, aber wie sieht die praktische Umsetzung aus?

Im letzten Blogbeitrag erklärte Nick Haydn, worauf beim Kauf eines fahrbaren Untersatzes geachtet werden sollte. Erste Schritte für den Umbau seines Land Rover Defenders zum komfortablen Reisemobil hat er bereits umgesetzt. Nach tagelangen Restaurationsarbeiten ist er um einige Erfahrungen reicher und auch die Karossiere hat sich verändert. Nun steht aber erstmal ein leerer Blechkasten vor ihm. Bis dieser die erste Reise antreten kann, ist aber noch jede Menge handwerkliches Geschick gefragt. Wenn das Projekt noch am Anfang steht und der Blick in ein leeres Fahrzeug monatelange Arbeit verspricht, drängt sich unweigerlich die Frage auf: „Wie und wo fange ich jetzt eigentlich an?“ 

Diese Frage stellt sich auch Simone, die währenddessen als Neuling auf diesem Gebiet einen Ford Transit zum Camper umbaut.

Schritt 1: Maß nehmen 

Ein individueller Ausbau erfordert eine gut durchdachte Planung. Nick ist hier im Vorteil, denn als Architekt hat er Zugriff auf technische Hilfsmittel. Der erste Schritt ist ein detailliertes 3D CAD Modell vom Fahrzeug. Mit Zollstock und Maßband bewaffnet ging es ans Vermessen der Karosserie. Millimetergenaue Arbeit war erforderlich, um die Maße in ein 3D-Modell einpflegen zu können. „Der erste Schritt ist ein detailliertes 3D-CAD-Modell des Fahrzeugs”, sagt Nick.

Tipp: Wer keine 3D-Software zur Verfügung hat, kann auch mit einer Zeichnung oder Skizze in einer 3-Tafel-Projektion den Innenausbau planen. Ergänzend dazu ist ein Modell entweder direkt im Fahrzeug im Originalmaßstab oder in einer Miniaturausfertigung z.B. 1:10 (z.B. 3,00 m = 30 cm usw.) eine kostengünstige Alternative, um einen Plan für die Einrichtung zu entwerfen. Schon einfache Hilfsmittel genügen, um das Mini-Modell zu entwerfen: Material aus Pappe, z.B. Finn- oder Graupappe und ein Teppichmesser.

„Nicht auf das Aufmaß vergessen”, mahnt Nick. Ein gründliches Aufmaß der Karosserie des Innenraums ist eine solide und gute Basis für einen Ausbau. „Je genauer gearbeitet wird, umso leichter fällt später der detailgetreue Ausbau”, so der Autobastler. 

Schritt 2: Das Beste herausholen

„Die Fahrzeughersteller dachten beim Design natürlich nicht an einen Campingausbau. Die Karosserie ist meistens für den Transport von Gütern oder Personen optimiert”, sagt Nick. Es gibt daher strenge Vorgaben bei Breite und Höhe der Fahrzeuge. Eine 3D-Software stößt insbesondere bei kleinen Reisefahrzeugen wie einem Defender, einem VW Caddy oder auch Kleinbussen ohne Hubdach schnell an ihre Grenzen. Bei der Planung des Ausbaus stand er dann schnell vor der Herausforderung, das Beste aus dem begrenzten Raumangebot herauszuholen.

Schritt 3: In 3D-Software übernehmen

„Im schlimmsten Fall hätte ich eben auch noch ein Loch in das Dach geschnitten, wo ich meinen Kopf rausstrecken kann”, scherzt er heute. Damals hatte er sich schon mit Fliegerbrille und Mund-Nasen-Schutz fahrend vor Augen. Eine schöne Sitzbank mit weich gepolsterter Lehne, dazu eine schmucke Tischplatte – fertig wäre der Ausbau. Dachte er, denn er musste seine eigene Körpergröße miteinkalkulieren.

Speziell in der Innenarchitektur gibt es für fast jedes Möbelstück standardisierte Werte, die vom Bewegungsapparat und den Abmessungen des menschlichen Körpers abgeleitet sind. Stapelweise Literatur lässt sich dazu problemlos finden. Da heißt es beispielsweise, dass die ideale Sitzhöhe für einen Stuhl ca. 40-45 cm beträgt. In dieser Sitzposition ist der Mensch in der Regel ca. 130-145 cm hoch, je nach individueller Beinlänge. „Sie dienen als Orientierung zu Beginn einer Planung und waren schnell in das 3D-Modell übernommen”, erinnert sich der studierte Architekt.

Schritt 4: Der Praxistest

Es gilt herauszufinden, wie tief man sitzen kann, um ohne Kreuzschmerzen oder tauben Beinen nach stundenlanger Fahrt wieder auszusteigen. Beim Land Rover Defender musste Nick die Sitzhöhe ohne Polster auf ca. 25 cm reduzieren. „Noch tiefer wäre aber auch aufgrund der Radkästen kaum möglich gewesen”, sagt der junge Odenwalder. Getestet wurde in einem 1:1 Modell des Fahrzeugs.

Das Modell muss kein perfektes Probestück sein. In Nicks Fall waren zwei simple Unterbauungen, die in der Höhe angepasst werden können, und ein Brett ausreichend. Auch mit einer Neigung der Sitzfläche nach hinten kann z.B. die Sitzhöhe einer Person reduziert werden.

Schritt 5: Scheitern gehört dazu

Der perfekte Ausbau erscheint vor dem geistigen Auge so lange genial, bis der Praxistest die Idee in Sekundenschnelle auch schon wieder zerstört hat. „Scheitern gehört sowohl beim Planen als auch beim Ausbau dazu. Wichtig ist besonders bei der Planung diesen Prozess richtig einzuordnen”, weiß Nick heute. In Wahrheit ist das Scheitern bei der Planung ein Gewinn. „Mit jeder Alternative wird das Konzept ein Stück besser”, sagt Nick stolz. „Auch ich bin beim Ausbau des Defenders gescheitert – mehrmals", so Nick weiter. Ursprünglich wollte er die Küchenzeile hinter dem Beifahrersitz über die ganze Länge der Ladefläche platzieren. „Das war natürlich eine Fehlkalkulation und ein Irrsinn”, sagt er mit der Hand an seiner Stirn. 

Der Praxistest zeigte schnell: die Arbeitsfläche ist sitzend nicht erreichbar. Der Abstand der Sitzbank zur Küchenzeile war in Kombination mit der tiefen Sitzposition einfach zu groß. Selbst für einen großen Mann wie Nick.  

Also warf er das Konzept über Bord und ging ein paar Arbeitsschritte zurück. Er hat dabei nicht nur den Innenausbau gespiegelt, sondern auch festgestellt, wieviel Stauraum er mit der langen Küchenzeile verschenkt hätte. 

Schritt 6: Funktionalität einplanen

„Der Schlüssel beim platzsparenden Ausbau ist es, Funktionen aufzuteilen oder auch zusammenzubringen,” weiß Nick heute. Es genügt nicht, die Möbel und Gegenstände nur etwas kleiner zu gestalten. Es ist Kreativität gefragt und Möbel, die zwei oder mehrere Funktionen vereinen.

In seinem Ausbauplan ist das z.B. die Stauraumklappe unter der Küchenzeile. Diese kann er hochklappen und sie wird zur Tischplatte. Die Schublade mit dem Wassertank hat einen Deckel. Wozu? Im geöffneten Zustand dient diese als Abstell- und Ablagefläche. Durch kreative Verknüpfungen und platzsparende Lösungen hat er die Funktionen einer Drei-Zimmerwohnung (Schlafen, Essen/Kochen, Wohnen) auf nur knapp 3 m² untergebracht. Zumindest im Modell-Format.

Stauraum ist das Wertvollste im Camper

Wer kennt es nicht? Der Koffer ist zu schwer oder lässt sich nicht mehr schließen? Zu viel Gepäck auf Reisen führt auch beim Camper schnell zu einem Mangel an Stauraum. Wer länger unterwegs ist, verschiedene Jahreszeiten oder Klimazonen auf seiner Reise durchquert, benötigt jedes Aufbewahrungsfach. Gute Organisation ist daher das A und O. Dazu gehört auch der letzte wichtige Aspekt im Bezug auf Stauraum: „Nicht nur das Volumen ist entscheidend, sondern auch die Erreichbarkeit des Lagerplatzes. Schubladen können da wahre Wunder bewirken”, spricht Nick aus Erfahrung. 

Vorschau auf den nächsten Beitrag

Die Planung ist abgeschlossen, weiter geht es mit dem Innenausbau.

Nick bloggt auf seiner Website www.endlos-freisein.com und auf Instagram regelmäßig über seine Erlebnisse und Erfahrungen rund um den Defender und das Reisen im Camper. In der kleinen Manufaktur in Südhessen baut Nick gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Philipp individuell auf den Kunden zugeschnittene Reisemobile aus.    

Fotos Copyright: Nick Haydn