Reisen mit Handicap

Menschen mit Handicap sind schon im Alltag mit einigen Herausforderungen konfrontiert – dies ist im Urlaub nicht anders. Was das konkret bedeutet und wie ein barrierefreier Urlaub am besten geplant wird, wollen wir dir hier zeigen. 

Egal ob Städtereise, Strandurlaub oder eine Auszeit im Wellnesstempel – alle Reisende haben ein gemeinsames Ziel, und zwar die schönste Zeit im Jahr zu genießen. Doch so einfach und unbeschwert das für viele klingen mag, die Urlaubsplanung für Menschen mit Beeinträchtigung ist um ein vielfaches schwieriger. Barrierefreies Reisen ist das Lösungswort. Eine gründliche Recherche und eine gute Vorbereitung sind das A und O für einen entspannten Urlaub. 

Was bedeutet „Barrierefreiheit“ eigentlich?

Barrierefrei bedeutet, dass jeder Mensch, unabhängig von eventuellen Behinderungen, uneingeschränkt Gebäude, Medien, Gegenstände oder Dienstleistungen benutzen kann. Doch hier geht es nicht nur um Menschen mit Behinderung. Denn fast jeder von uns benötigt mindestens einmal im Leben ein barrierefreies Reiseangebot – ob im hohen Alter, mit Kinderwagen, hochschwanger oder eingeschränkt durch eine Verletzung. Barrierefreiheit bedeutet, Hindernisse zu vermeiden und somit eine Erleichterung im Lebensalltag, aber auch auf Reisen zu bieten. Insbesondere in der Tourismusbranche, ist es essenziell hier den Kunden einen möglichst einfachen und bequemen Aufenthalt zu gewähren. 

Worauf du vor der Buchung eines Hotels achten solltest

Wie sieht ein barrierefreies Hotelzimmer im Detail aus? Im Zuge unserer Recherche, stellten wir uns natürlich genau diese Frage. Wir haben Jürgen Klug, Autor des Blogs „Barrierefreies Reisen“, nach wertvollen Tipps gefragt. Auf welche Details du achten und welche Fragen du dir vor Urlaubsantritt stellen solltest, verrät er hier.

Viele Hotels bezeichnen sich oder werben sogar damit barrierefrei zu sein, wieder andere geben an besonders behindertenfreundlich zu sein. Dies heißt aber aus Jürgens Sicht noch lange nicht, dass sie auch für Menschen mit Behinderung geeignet sind. Besonders dann nicht, wenn man bedenkt, dass Behinderungen vielfältig sind - von Geheingeschränkt bis Rollstuhlfahrer, nicht Sehenden, nicht Hörenden und vielem mehr. Jede Form von Behinderung benötigt andere Voraussetzungen in einer Unterkunft. 

Deshalb solltest du dir vor einer Buchung gut überlegen, welche Voraussetzungen für dich persönlich wichtig sind. Um die Übersicht zu bewahren, kann hier eine Checkliste helfen. Punkte können folgende sein:

  • Gibt es Stufen am Eingang zum Hotel, Speisesaal, anderen Räumlichkeiten im Hotel, Fitness-oder Wellnessbereich und natürlich zum Zimmer und Bad?
  • Gibt es einen Behindertenparkplatz in unmittelbarer Nähe des Hotels, oder ein Parkplatz in der Tiefgarage?
  • Wie breit sind die Türen des Zimmers - und wie breit ist mein Rollstuhl?
  • Gibt es Haltegriffe im Bad und in der Dusche?
  • Ist die Dusche mit dem Rollstuhl befahrbar? Wie sieht es mit dem Platz in der Dusche aus? Gibt es einen Duschstuhl oder einen Hocker?
  • Wie hoch bzw. niedrig sind die Betten?
  • Sind Zimmer in Braille ausgezeichnet, gibt es ein Leitsystem?

Diese Punkte kannst und solltest du direkt beim Hotel erfragen. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich, sich vorab Bilder schicken zu lassen. Gut ist immer im Internet nach Erfahrungen von anderen Betroffenen zu suchen. Manchmal findest du diese direkt in den Hotelbewertungen. Am einfachsten und sichersten ist es sich an einen Spezialanbieter wie z.B. www.runa-reisen.de zu wenden. Außerdem gibt es Blogs zu diesem Thema wie: www.barrierefrei-reisen.info

Ein geeignetes und tolles Hotel ist aber nicht alles. Schließlich möchtest du einen schönen, entspannten oder auch aktiven und ereignisreichen Urlaub verbringen und da spielt die Umgebung ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch hier empfehle ich dir: Eine Checkliste muss her! ;) 

Fragen, die du dir vor Urlaubsantritt stellen solltest

  • Habe ich daran gedacht, das Mobilitätsservice der Fluggesellschaft zu buchen?
  • Wie komme ich zum Hotel? Gibt es einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung?
  • Kann ich vor Ort Ausflüge für Menschen mit Behinderung buchen?
  • Wie barrierefrei sind die Freizeitangebote wie Museen, Sehenswürdigkeiten, Kinos, Gaststätten usw.?
  • Wenn es ans Meer geht, solltest du dich nach Strandrollstühlen und rollstuhlgerechten Strandabschnitten erkundigen.
  • Gibt es zugängliche Arztpraxen?
  • Gibt es ein Sanitätshaus, welches Hilfsmittel reparieren kann? Oder wo ich mir optional Hilfsmittel leihen kann, wenn nicht alles (z.B. einen Lifter) selbst mitnehmen möchte? (Ich persönlich habe immer ein bisschen Werkzeug dabei, um kleinere Reparaturen selbst zu erledigen. Erspart Kosten und Zeit)
  • Wie ist die Topologie? Also möchte ich z.B. als Rollstuhlfahrer an einem Ort Urlaub machen, der schon aufgrund der Topologie (z.B. Gebirge) nur schwierig zu bewältigen ist?

Vieler dieser Punkte könnt Ihr bei der Tourismusinformation des Urlaubsortes vorab anfragen. Einige Informationen kann das Hotel direkt schon liefern, da viele Unterkünfte mit Sanitätshäusern vor Ort zusammenarbeiten. 

Bei Spezialanbietern kannst du Ausflüge, Hilfsmittel, Fahrdienste, Mobilitätsservices und sogar Pflegedienste im Voraus gleich mitbuchen. Auch hier kannst du im Internet nach Erfahrungen von anderen Betroffenen suchen. 

Wie barrierefrei sind europäische Städte?

Als Inspiration für dein nächstes Reiseziel kannst du auch die Gewinner des Access City Awards durchstöbern. Da in der EU rund 87 Millionen Menschen leben, welche aufgrund einer Behinderung einen eingeschränkten Lebensstil haben, fördert die Europäische Union die Chancengleichheit und die bessere Zugänglichkeit für Menschen mit Handicap. Der Access City Award wird an Städte verliehen den besonderen Fokus darauflegen, Zugänglichkeiten so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Zu den Siegern der letzten Jahre zählen Städte wie Budapest, Barcelona, Lyon, Malaga, Rotterdam und Stockholm. 

© Flughafen Wien AG

Mit professioneller Ausrüstung ermöglicht der Flughafen Wien Passagieren barrierefreies Ein- und Aussteigen aus dem Flugzeug.

Barrierefreiheit ist dem Flughafen Wien ein besonderes Anliegen

Barrierefreiheit und Inklusion sind wichtige Anliegen des Flughafen Wien. Dafür setzt der Airport auch zahlreiche Maßnahmen, mit denen Flugreisen für Personen mit eingeschränkter Mobilität und besonderen Bedürfnissen einfacher und entspannter reisen. So bietet der Flughafen Wien eine kostenlose, individuelle Begleitung vor Ort durch geschultes Personal, sowie spezielle PRM-Services wie das Bereitstellen von Rollstühlen und weiteren Hilfsmitteln. Passagiere, die diese Services in Anspruch nehmen möchten, melden ihren Bedarf am besten direkt bei der Fluglinie an. Diese leitet die Information an den Flughafen weiter, der dann die kostenlose Betreuung übernimmt.

Flughafen Wien setzt auf laufende Verbesserung 

Bereits seit 2012 arbeitet der Flughafen Wien gemeinsam mit neun Hilfsorganisationen, Verbänden und Institutionen intensiv an der Ausarbeitung von geeigneten Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Normgerechte Markierung der Rampen und Treppen, Kennzeichnung der Verkehrsschilder zur besseren Sichtbarkeit, gute Kontrastierungen und eine durchgängige Farbcodierung bieten ein verständliches, visuelles Leitbild. Der Mobilitäts- und Informationsschalter im Abflugs- & Ankunftsbereich im Terminal 3 bieten eine technische Unterstützung für hör- und sehbehinderte Passagiere. Personen mit besonderen Bedürfnissen wird damit das Reisen deutlich vereinfacht.

Nähere Informationen zur Barrierefreiheit am Flughafen Wien findest du hier.

Barrierefreies Reisen mit dem Zug – geht das? Ja! Die ÖBB zeigen wie.

Auch den ÖBB sind die Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Personen ein großes Anliegen. Es werden daher laufend Investitionen in Fuhrpark und Infrastruktur getätigt. Speziell durch die vielen Bahnhofsprojekte und der Erneuerung der Fahrzeuge wurde bzw. wird die Barrierefreiheit enorm verbessert.

Du hast einen konkreten Reisewunsch? 

Die Mitarbeiter der ÖBB übernehmen nicht nur die Buchung von Tickets und Reservierungen, gerne beraten sie dich auch über mögliche Hilfestellungen wie z.B. Ein-/Ausstiegshilfen oder über die barrierefreie Ausstattung der ausgewählten Züge und Bahnhöfe. Um eine optimale Hilfestellung am Bahnhof für dich organisieren zu können, empfehlen dir die ÖBB, eine Voranmeldung deines Reisewunsches bis spätestens 12 Stunden vor der Reise (48 Stunden bei einer Auslandsreise) bekannt zu geben. 

Und wie sieht es auf Kreuzfahrtschiffen aus?

AIDA möchte Gästen eine schöne und sorglose Kreuzfahrt an Bord so unabhängig und barrierefrei wie möglich anbieten. Grundsätzlich sind nahezu alle öffentlichen Bereiche der AIDA Schiffe, wie Bars, Restaurants, Lifte, Außendecks, öffentliche WCs und Kabinen barrierefrei erreichbar. Die Orientierungsbeschilderung an Bord ist in Profil- und Brailleschrift ausgewiesen. Auf allen AIDA Schiffen werden schöne behindertenfreundlich ausgestattete Kabinen in verschiedenen Kategorien angeboten. In den Restaurants und im Theater/Theatrium sind Stellplätze für Rollstuhlfahrer mit angrenzenden Sitzplätzen für Begleitpersonen reserviert. Auch im medizinischen Bereich engagiert sich AIDA, um den Gästen die Reise so angenehm und sicher wie möglich zu machen.

Der Barrierefrei-Treff bietet eine tolle Möglichkeit, um offene Fragen zu stellen

Der Barrierefrei-Treff findet zu Beginn jeder Reise statt und wird sehr gut angenommen, denn hier erfährt jeder Betroffene wichtige Informationen zur individuellen Urlaubsplanung und kann Fragen stellen. Grundsätzlich erfährt der Gast Nützliches in Bezug auf:

• Landgangsmöglichkeiten in den Häfen für Rollstuhlfahrer

• Standard-Ausflugsangebote und mögliche individuelle Arrangements

• Reservierung und Lage der Restaurant-Sitzplätze für Rollstuhlfahrer/ Gäste mit eingeschränkter Geh-Fähigkeit

• Verleih-Equipment und Orientierungshilfen an Bord

• Individuelle Beratung und Unterstützung

Auf allen AIDA Schiffen sind Treppenraupen verfügbar.

Grundsätzlich empfiehlt AIDA allen Gästen mit individuellen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen in jedem Fall vor der Reisebuchung Kontakt aufzunehmen, damit sich AIDA auf die besonderen Bedürfnisse der Gäste an Bord einstellen kann (barrierefreiheit@aida.de

Detaillierte Informationen finden die Gäste auf der AIDA Homepage.

© AIDA Cruises

AIDA hat sich in vielen Bereichen an Bord auf die besonderen Anforderungen von Menschen mit individuellen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen eingestellt.